SMP
12. Oktober 2018 Briefing

SMP Tax Briefing:
Dilemma gelöst: Steuerneutrale Anpassung des Cap Tables zugunsten von Start-Up-Gründern

I. Ausgangslage und Problem

Bei Start-Ups tritt oft die Situation ein, dass der Cap-Table (also die Beteiligungsverhältnisse) zugunsten der Gründer oder führender Mitarbeiter angepasst werden soll (nachfolgende Ausführungen zu Gründern gelten für leitende Mitarbeiter in gleicher Weise). Hintergrund kann z.B. eine anstehende Finanzierungsrunde sein, die sonst zu einer zu starken Verwässerung der Beteiligungen der Gründer führen würde.

Das steuerliche Problem ist stets dasselbe: Das Start-Up hat oft einen relevanten Wert, zumindest wird ihm ein solcher durch Investoren in Finanzierungsrunden zugewiesen. Der Gründer dagegen kann und möchte den daraus abgeleiteten Wert nicht bezahlen; auch die anderen Gesellschafter verlangen dies in aller Regel nicht. Wird dem Gründer dann eine (zusätzliche) Beteiligung gewährt, die unter dem Verkehrswert liegt, besteht ein hohes Risiko, dass in Höhe des zugewendeten Vorteils ein geldwerter – und damit voll lohnsteuerpflichtiger – Vorteil gewährt wird. Oftmals wird (z.B. aufgrund der Gewährung von Common Shares mit nachrangiger Liquidationspräferenz oder marktüblicher Vesting-Reglungen) der Wert (deutlich) unter der Bewertung einer Finanzierungsrunde liegen; er kann im Einzelfall auch der Nominalwert sein. Gleichwohl besteht in vielen solcher Fälle ein erhebliches Steuerrisiko. Verschärfend kommt hinzu, dass es sich – realisiert sich das Risiko – um sogenanntes „dry income" handelt: Der steuerpflichtige Ertrag besteht in Anteilen und nicht in Liquidität, mit der die Steuer beglichen werden könnte.

II. Anteilsoptionen als Lösung?

Dieses Problem lässt sich auf verschiedene Weisen lösen. Naheliegend ist es, anstelle einer Beteiligung am Start-Up „nur" Optionen auf eine solche Beteiligung zu gewähren. Das vermeidet den sofortigen steuerlichen Zufluss (der erst bei Optionsausübung eintritt) und damit das steuerliche Problem bei Gewährung. Diese Lösung ist allerdings auch mit wesentlichen Nachteilen verbunden: Zunächst ist es oft von Investoren gefordert, dass eine relevante Beteiligung der Gründer besteht und sichtbar wird – das ist bei Optionen nicht der Fall. Ferner gewähren Optionen keine Gesellschafterrechte wie insbesondere Stimmrechte. Steuerlich ist der spätere Lohnzufluss bei Ausübung der Option (regelmäßig beim erfolgreichen Exit) mit dem Nachteil verbunden, dass dann der gesamte Wertzuwachs der vollen progressiven Besteuerung unterliegt und nicht die vorteilhaften Regime für die Veräußerung von Kapitalgesellschaftsanteilen anwendbar sind (Abgeltungssteuer oder nahezu vollständige Steuerfreiheit bei Nutzung einer persönlichen Beteiligungskapitalgesellschaft). Aus diesen Gründen ist der Weg über die Gewährung von Anteilsoptionen vielfach nicht gewünscht.

III. Anteile mit negativer Liquidationspräferenz

In solchen Fällen bietet es sich oftmals an, für die Gründer und leitenden Mitarbeiter eine eigene Anteilsklasse zu schaffen, die mit einer negativen Liquidationspräferenz verbunden ist und zum Nominalwert ausgegeben wird. Wirtschaftliche Wirkung ist folgende: Die Anteile partizipieren im Fall eines Exits (und sonstiger Liquiditätszuflüsse, egal in welcher Form) erst dann und nur insoweit, als sie einen Wertzuwachs seit ihrer Gewährung erfahren haben. Anders formuliert: Sie vermitteln ihren Anteilseignern nur dann einen Wert, wenn (und soweit) der Wert der Beteiligung seit Gewährung gestiegen ist. Bleibt das Unternehmen in seiner Bewertung konstant (oder sinkt der Wert) und kommt es zum Exit, werden nur die übrigen Gesellschafter an den Exiterlösen beteiligt.

Das hat zur Folge, dass die Beteiligung im Zeitpunkt ihrer Gewährung noch keinen relevanten Wert hat. Denn erst eine weitere Wertsteigerung würde im Fall eines Exits dazu führen, dass den neuen Anteilen Exiterlöse zugewiesen werden würden. Der fehlende Wert im Zeitpunkt der Gewährung solcher Anteile sollte auch den Zufluss eines geldwerten Vorteils und damit steuerliche Effekte ausschließen, wenn diese Anteile zum Nominalwert an die Gründer oder leitenden Mitarbeiter gewährt werden. Voraussetzung ist naturgemäß, dass die negative Liquidationspräferenz in der Gesellschaftervereinbarung (vor allem: im Waterfall) sorgfältig abgebildet wird.

Der mit dieser Gestaltung verbundene wirtschaftliche Nachteil – dass die Anteile nur an zukünftigen Wertsteigerungen partizipieren und damit ein deutlich höheres Risiko tragen – lässt sich, falls gewünscht, in der Bemessung der Anzahl der gewährten Anteile berücksichtigen.

Steuerlich sollte diese Gestaltung nach Möglichkeit (zumindest) mit einer Lohnsteueranrufungsauskunft abgesichert werden, die nach unseren praktischen Erfahrungen auch regelmäßig erteilt wird. Vollständige Sicherheit bietet eine parallel einzuholende verbindliche Auskunft beim Wohnsitz-Finanzamt des Gründers, der solche Anteile erhält.

IV. Fazit

Die Anpassung des Cap-Tables zugunsten von Gründern und leitenden Mitarbeitern von Start-Ups ohne prohibitive steuerliche Risiken ist ein oft auftretendes Problem von Start-Ups, wenn – wie in aller Regel – kein relevanter Kaufpreis gezahlt werden soll. Die Gewährung von Anteilen mit einer negativen Liquidationspräferenz – also Anteilen, die nur an künftigen Wertsteigerungen partizipieren – kann eine probate Lösung sein, weil sie steuerliche Risiken minimiert. Sie ist in der Umsetzung technisch anspruchsvoll und sollte vorab mit der Finanzverwaltung abgestimmt werden.

Briefing zum Download als PDF.