SMP
1. März 2018 Briefing

EuVECA – Europaweites Fundraising für VC- und Growth-Fonds

Ab 1. März greift die überarbeitete EuVECA-Verordnung. Das Regime, das bisher nur relativ zurückhaltend angenommen wurde, dürfte nun noch deutlich attraktiver für Manager von Venture-Capital- und Growth-Fonds und möglicherweise auch für Manager von Small-Cap-Buy-Out-Fonds werden.

Dieses SMP-Briefing stellt das EuVECA-Regime insgesamt und die wichtigen Neuerungen vor und beschreibt, für wen das Regime interessant sein kann.

Was habe ich davon?

Die meisten deutschen Manager von Private-Equity- und Venture-Capital-Fonds verwalten ihre Fonds als sogenannte Klein-AIFM mit einer Registrierung nach § 2 Abs. 4 KAGB (auch „Sub-Threshold-Manager“ genannt). Dies ist ein sehr simples Regime, das dem Manager weder im Registrierungsprozess noch im späteren Handling viel abverlangt.

Voraussetzung ist zum einen, dass alle Investoren in den verwalteten Fonds professionelle Investoren nach MiFID oder semiprofessionelle Investoren nach dem KAGB sind. Als professionelle Investoren qualifizieren praktisch nur institutionelle Investoren. Semiprofessionelle Investoren nach dem KAGB müssen mindestens 200.000 Euro investieren und der Manager muss ihnen bescheinigen, dass sie über hinreichende Kenntnisse und Erfahrungen für die Investition verfügen.

Zum anderen darf das in allen Fonds verwaltete Kapital, d.h. die aktiven Portfoliounternehmen, nicht mehr als 500 Millionen Euro nach HGB-Bilanzwert betragen und es darf auf der Ebene der Fonds kein Leverage eingesetzt werden.

Dieses sogenannte „Sub-Threshold Regime“ hat einen gravierenden Nachteil: Ein Fundraising in der EU außerhalb Deutschlands ist nur sehr eingeschränkt möglich. Ob und inwieweit es möglich ist, richtet nach dem in jedem Land unterschiedlichen nationalen Vertriebsregeln. Möglich ist der Vertrieb beispielsweise in Luxemburg und Großbritannien, ausgeschlossen ist er jedoch beispielsweise in Frankreich, Österreich, den Niederlanden und Dänemark. Selbst wenn der Vertrieb möglich ist, können vielfach nur institutionelle Investoren, aber meist keine vermögenden Privatpersonen, Family Offices oder bspw. Stiftungen angesprochen werden.

Das ist bei EuVECA-registrierten Managern komplett anders. EuVECA-Manager dürfen ihre EuVECA-Fonds in der ganzen EU ohne Einschränkungen an professionelle Investoren nach MiFID-Definition sowie an semiprofessionelle Investoren nach EuVECA-Definition vertreiben. Im Rahmen der Revision der EuVECA-Verordnung wurden nun auch die von einigen Ländern bisher erhobenen lokalen Gebühren abgeschafft.

Die EuVECA-Definition des semiprofessionellen Anlegers hat zwei Vorteile gegenüber der deutschen KAGB-Definition: Erstens ist die Mindestinvestitionsschwelle nur 100.000 Euro statt 200.000 Euro. Zweitens braucht der Manager keine Einstufung der Investoren vorzunehmen, an der sich Streit entzünden kann, wenn der Fonds nicht wie erwartet läuft.

Der Vertrieb außerhalb der EU, beispielsweise in der Schweiz oder den USA, ist nach beiden Regimen gleich und läuft allein nach den jeweiligen nationalen Regelungen im Zielland.

Welche Fonds sind erfasst?

Die Anforderungen an EuVECA-Fonds sind nunmehr so weit gefasst, dass Venture-Capital-Fonds in jedem Fall darunterfallen, aber nun auch Growth-Fonds sowie kleinere Buyout-Fonds erfasst sein können.

Ein Fonds, der nach der EuVECA-Verordnung vertrieben werden soll, muss in einem EU-Mitgliedsstaat errichtet worden sein, darf nur professionelle und semiprofessionelle Investoren aufnehmen (s.o.) und muss bestimmte Anforderungen bezüglich seiner Investitionstätigkeit erfüllen. Investitionen des Teams des Managers sind zulässig.

Hinsichtlich der Investitionstätigkeit muss der Fonds beabsichtigen, mindestens 70% des investierbaren Kapitals in qualifizierende Anlagen zu investieren. Entsprechend darf er keinesfalls mehr als 30% des investierbaren Kapitals in nicht-qualifizierende Anlagen investieren.

Qualifizierende Anlagen sind Eigenkapital- und Quasi-Eigenkapital-Anlagen in qualifizierenden Portfoliounternehmen (s.u.) sowie (in beschränktem Maß) Gesellschafterdarlehen an qualifizierende Portfoliounternehmen. Die (Quasi-)Eigenkapital-Anlagen können per Neu-Ausgabe oder per Anteilstausch erworben werden sowie auch durch Erwerb bestehender Anteile. Letzteres öffnet das Regime grundsätzlich auch für Buyout-Situationen. Gesellschafterdarlehen dürfen maximal 30% des Zeichnungskapitals des Fonds ausmachen.

Der Kreis der qualifizierenden Portfoliounternehmen wurde durch die Revision deutlich erweitert: Ab jetzt qualifizieren alle Unternehmen, die nicht-börsennotiert sind und weniger als 500 Beschäftigte haben. Jahresumsatz und Bilanzsumme sind nicht mehr relevant. Des Weiteren qualifizieren auch Unternehmen, die an einem KMU-Wachstumsmarkt notiert sind, soweit ihre durchschnittliche Börsenkapitalisierung weniger als 200 Millionen Euro beträgt.

Es wurde nun ausdrücklich klargestellt, dass die vorstehenden Anforderungen an das Portfoliounternehmen nur für den Zeitpunkt der Erstinvestition des Fonds gelten. Der Fonds kann entsprechend uneingeschränkt weiter investieren, wenn sich das Unternehmen prächtig entwickelt und die 500-Beschäftigten-Marke oder die 200-Millionen-Euro-Börsenkapitalisierungsmarke überschreitet.

Die Portfoliounternehmen müssen in einem EU-Mitgliedsstaat errichtet worden sein oder in einem Drittstaat, mit dem ein Steuerinformationsaustausch-Abkommen besteht und der nicht auf der „schwarzen Liste“ der FATF von Staaten mit einem hohen Geldwäsche-Risiko steht.

Wie bei der Registrierung als Sub-Threshold Manager nach § 2 Abs. 4 KAGB auch darf der Fonds keinen Leverage auf Fondsebene aufnehmen und die „Exposure“ des Fonds darf nicht über die noch abrufbaren Kapitalzusagen hinausgehen.

Was sind die Anforderungen an den Manager?

Ein EuVECA-Manager unterwirft sich einer „Regulierung light“. Die Anforderungen sind etwas höher, als diejenigen an den nur-registrierten Sub-Threshold-Manager, aber gegenüber einer AIFMD-Vollregulierung deutlich geringer. Insgesamt gehen sie kaum über das hinaus, was ohnehin Standard ordnungsgemäßer Investitionstätigkeit eines Fondsmanagers sein sollte.

Die Regulierung eines nur-registrierten Sub-Threshold-Managers erschöpft sich im Wesentlichen in der jährlichen Kontrolle und dem jährlichen Reporting des in den Fonds verwalteten Vermögens (Assets under Management – AuM). Dieses Reporting muss auch ein EuVECA-Manager erfüllen.

Ein EuVECA-Manager muss darüber hinaus über hinreichende finanzielle Mittel sowie technische und personelle Ressourcen verfügen, bestimmte organisatorische Voraussetzungen erfüllen und eine regelmäßige, transparente Bewertung des verwalteten Vermögens sicherstellen.

Die Eigenmittel-Anforderungen waren in der jüngeren Vergangenheit ein erheblicher Stolperstein bei der Registrierung von EuVECA-Managern. Die Vorstellungen der BaFin, was „angemessen“ ist, erreichten immer neue Höhen.

Die Anforderungen wurden nunmehr dahin konkretisiert, dass der Manager einen Betrag in Höhe von einem Achtel seiner jährlichen Fixkosten, mindestens aber 50.000 Euro vorhalten muss. Verwaltet der Manager mehr als 250 Millionen Euro, muss er zusätzliche Eigenmittel von 0,02% des Betrags vorhalten, um den das verwaltete Vermögen 250 Millionen Euro übersteigt. Diese zusätzlichen Eigenmittel können bis zur Hälfte durch eine Bürgschaft einer Bank oder einer Versicherung abgedeckt werden.

Die Eigenmittel müssen in Bargeld oder vergleichbar liquiden Vermögenswerten vorgehalten werden. Sie müssen also separat „geparkt“ werden und stehen nicht als Working Capital zur Verfügung.

Der Manager muss eine angemessene interne Organisation haben und Vorkehrungen einrichten, dass Interessenkonflikte vermieden bzw. offengelegt werden. In der Praxis erfüllen die meisten Manager diese Anforderungen bereits. Sie müssen ihre internen Regelungen nur verschriftlichen (und sich dann auch an diese Regeln halten) sowie ggf. bestimmte Aufgaben auf verschiedene Schultern verteilen.

Mindestens einmal im Jahr muss der Manager eine ordnungsgemäße und transparente Bewertung des verwalteten Vermögens durchführen. Diese Anforderung dürfte durch eine Bewertung nach den aktuellen Richtlinien des IPEV-Boards, wie sie dem Marktstandard entspricht, eingehalten werden.

Sowohl im Fundraising als auch in der laufenden Berichterstattung muss der Manager gewisse Transparenzanforderungen erfüllen, die jedoch kaum über das ohnehin Marktübliche hinausgehen.

Mit der Revision wurde das EuVECA-Regime nunmehr auch für bereits vollregulierte Manager geöffnet, die ihre Fonds nun zusätzlich den EuVECA-Voraussetzungen unterstellen können. Sie haben dann nicht nur einen EU-Vertriebspass zum Vertrieb an professionelle (und teilweise semiprofessionelle) Investoren nach dem KAGB (den sie schon aufgrund der Vollregulierung haben), sondern auch zum Vertrieb an semiprofessionelle Investoren nach EuVECA-Definition.

Wie funktioniert die EuVECA-Registrierung?

Nach einigen Startschwierigkeiten in den Anfangsjahren und im Verlauf immer weiter steigenden Anforderungen ist das Registrierungsverfahren bei der BaFin in jüngerer Zeit deutlich vorhersehbarer und verlässlicher geworden. Dazu hat auch die Konzentration der Zuständigkeiten in einem Referat beigetragen.

Zudem hat die Revision der EuVECA-Verordnung einige der verbliebenen Stolpersteine beiseite geräumt. Mit einer ordentlichen Vorbereitung dürfte die Registrierung nunmehr recht zügig und planbarer ablaufen.

Im Rahmen des Registrierungsprozesses muss dargelegt werden, wie die dargestellten Anforderungen an den Fonds und den Manager eingehalten werden. Dazu werden typischerweise Entwürfe der Fondsunterlagen, d.h. KG-Vertrag und PPM, sowie die verschriftlichten internen Organisationsregeln eingereicht. Die Geschäftsführer des Managers müssen ihre Integrität und die notwendigen Erfahrungen anhand von Lebensläufen und Registerauskünften nachweisen. Der bisher häufige Streitpunkt der notwendigen Eigenmittel wurde nun durch eine Formel definiert, so dass nur noch die tatsächlichen oder – bei einem neuen Manager – geplanten jährlichen Fixkosten darzulegen sind.

Die Europäische Aufsichtsbehörde wird in der Zukunft technische Standards, Standardformulare, Muster und Prozeduren für den Registrierungsprozess entwickeln, so dass der Prozess dann auch europaweit vereinheitlicht werden wird. Ob diese Vereinheitlichung Fluch oder Segen wird, bleibt abzuwarten.

Mit der Revision wurde nun auch eine Höchstfrist von zwei Monaten ab vollständiger Einreichung der Unterlagen eingeführt. Das Verfahren kann somit nicht mehr – wie in der Vergangenheit geschehen – mit Verweis auf Fristsachen in die Länge gezogen werden.

Spätere Änderungen hinsichtlich der Registrierung sind der Aufsichtsbehörde vorab mitzuteilen. Die Aufsichtsbehörde darf diese Änderungen grundsätzlich einen, aber maximal zwei Monate prüfen.